Das Ende der Einzelwette: Wie KI Gründer zu VCs macht

Verschwende keine 6 Monate mehr an einer einzigen Idee. Dank AI-Leverage hat sich die Startup-Mathematik verändert. So setzt du die 'Ich als VC'-Strategie um und baust ein Portfolio aus Wetten auf, statt nur ein einziges Produkt zu entwickeln.

Das Ende der Einzelwette: Wie KI Gründer zu VCs macht
Feng LiuFeng Liu
10. Januar 2026

Profipokerspieler kennen ein Geheimnis, das Amateure oft übersehen: Verliebe dich nie in dein Blatt. Verliebe dich nur in das Spiel.

In der Startup-Welt sind wir kulturell darauf konditioniert, genau das Gegenteil zu tun. Wir verlieben uns tief und unsterblich in unsere "Große Idee". Wir pflegen sie, beschützen sie und verbringen sechs zermürbende Monate damit, sie auf Hochglanz zu polieren, bevor wir sie der Welt zeigen. Wir behandeln ein Startup wie eine Ehe, obwohl es mathematisch gesehen eher wie eine Reihe kalkulierter Wetten aussehen sollte.

Unternehmertum ist im Kern ein Zahlenspiel. Investmentfirmen verstehen das perfekt. Sie setzen nicht ihren gesamten Fonds auf eine einzige Firma; sie investieren in einen Batch von zehn Unternehmen, wohl wissend, dass sieben scheitern könnten, zwei vielleicht eine schwarze Null schreiben und eines den gesamten Fonds zurückspielt. Doch als Gründer verhalten wir uns oft wie ein Spieler, der seine gesamten Ersparnisse beim Roulette auf die Rote 27 setzt.

Es ist Zeit, die Gleichung zu ändern.

Die alte Rechnung vs. die KI-Realität

Im letzten Jahrzehnt war der Standardrat simpel: Fokus. Wähle eine Nische, baue ein MVP (Minimum Viable Product) und iteriere. Dieser Zyklus dauerte meist etwa sechs Monate, um den Product-Market Fit (PMF) wirklich zu validieren.

Aber seien wir ehrlich, was in diesen sechs Monaten passiert. Du verbrennst Geld. Du verbrennst emotionale Energie. Und wenn der Markt mit den Schultern zuckt – was er in 90 % der Fälle tut – stehst du mit Code da, den niemand will, und einem angekratzten Ego. Die Opportunitätskosten sind massiv.

Heute hat sich die Landschaft unter unseren Füßen verschoben. KI-Coding-Assistenten und agentische Workflows bieten das, was ich "10-fachen Hebel" nenne. Was früher ein Team von Ingenieuren drei Monate kostete, kann heute ein einzelner smarter Builder an einem Wochenende prototypen.

Hier geht es nicht nur um Geschwindigkeit; es geht um Volumen. Wenn du ein MVP in einem Monat bauen kannst – oder besser noch, zehn MVPs in sechs Monaten – bist du nicht mehr nur ein Gründer. Du wirst dein eigener Venture Capitalist.

The Experiment Funnel

Das "Ich als VC"-Betriebsmodell

Stell dir vor, du führst dein Leben wie einen Mikro-Fonds. Anstatt zu fragen: "Ist das die Idee?", fragst du: "Ist das ein lohnenswertes Experiment in meinem Portfolio?"

Hier ist ein radikaler Ansatz, den ich gerade erkunde und den ich auch bei anderen smarten Gründern beobachte:

  1. Das Portfolio-Mindset: Du verpflichtest dich zu einem Batch. "Ich werde 6 Produkte in 6 Monaten shippen." Du löst dein Ego vom individuellen Ergebnis eines einzelnen Produkts.
  2. Die Team-Struktur: Vergiss das Einstellen von Angestellten oder Junior-Devs. Dieses Modell ist zu langsam und schwerfällig. Stattdessen rekrutierst du Partner. Du suchst nach Full-Stack Buildern mit einem "KI-Agenten"-Mindset – Leute, die wissen, wie man Tools einsetzt, um die Arbeit von fünf Personen zu erledigen.
  3. Der Equity-Split: Jeder ist Co-Founder. Jeder hält signifikante Anteile. Ihr seid eine Spezialeinheit, kein Konzern.

In diesem Modell könnte ein dreiköpfiges Team für drei oder vier gleichzeitige Projekte verantwortlich sein. Für einen traditionellen Manager klingt das nach Chaos, aber da die KI den Boilerplate-Code und die Logistik übernimmt, ist es überraschend gut handhabbar.

Schnell killen, schneller nachlegen

Die Magie dieses Ansatzes liegt in der Entscheidungsphase. Du bringst ein MVP auf den Markt.

  • Szenario A: Totenstille.

  • Action: Du killst es sofort. Keine Sentimentalitäten. Du recycelst den Code, behältst die Learnings und gehst zur nächsten Idee im Backlog über.

  • Szenario B: Traction. Nutzer beschweren sich über Bugs (ein gutes Zeichen) oder, noch besser, sie bezahlen.

  • Action: Du legst nach ("Double Down"). Du ziehst Ressourcen von den anderen Experimenten ab und steckst sie in dieses eine.

Wenn ein Projekt wirklich abhebt – ich spreche von echtem PMF – verdient es das Recht, eine eigenständige Firma zu werden. Du gliederst es aus, vielleicht wird der Lead-Builder zum CEO, und das "Studio" behält Anteile.

Praktische Takeaways

Wenn du heute auf einer Startup-Idee sitzt, ist hier meine Challenge an dich:

  • Hör auf zu polieren: Wenn du in den letzten 30 Tagen nichts geshippt hast, prokrastinierst du, du baust nicht.
  • Nutze die Tools: Wenn du jede Zeile Code von Hand schreibst, arbeitest du mit einer auf den Rücken gebundenen Hand. Nutze Cursor, v0, Claude und andere, um das Scaffolding zu generieren.
  • Finde Co-Piloten, keine Angestellten: Such dir Leute, die Upside wollen, kein Gehalt. Such nach Buildern, die verstehen, dass dies ein Spiel um Volumen ist.

Old Way vs. AI Way

Verliebe dich in das Spiel

Ich habe über 10 Jahre damit verbracht, Produkte zu bauen. Ich hatte Siege, die sich wie Schicksal anfühlten, und Fehlschläge, die wie Liebeskummer schmerzten. Rückblickend taten die Fehlschläge immer dann am meisten weh, wenn ich zu lange an ihnen festgehalten hatte.

Indem du diesen Portfolio-Ansatz übernimmst, schützt du dein wertvollstes Gut: deine Psychologie. Du hörst auf, das Scheitern zu fürchten, denn Scheitern ist nur ein Teil des Datensatzes. Du wirst antifragil.

Dies ist das goldene Zeitalter für den technischen Gründer. Die Kosten für Experimente sind fast auf Null gesunken. Das Einzige, was noch teuer ist, ist deine Zeit. Setz nicht alles auf eine Karte. Spiel das Spiel.

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Feng Liu

Feng Liu

shenjian8628@gmail.com